Ban Talouy - Ein Dorf im Niemandsland

In Tad Lo befanden wir uns rund 150 km vor der östlichen Grenze zu Vietnam.  Laut Auskunft des örtlichen Touristenbüros gibt es seit kurzer Zeit einen Grenzübergang bei Samouay, in Reiseführern oder im Internet ist davon aber noch nichts zu lesen. Ban Talouy liegt in den Bergen dazwischen und es soll dort auch Unterkünfte geben. 

Schon die Fahrt mit dem Lokalbus war ein Erlebnis der besonderen Art. Dieser Bus schlägt alles, was wir bisher gefahren sind: der Fussboden war durchgerostet, die Falttüre beim Chauffeur mit einem Seil zugehalten, geschaltet wurde mit Zwischengas. Hauptsache, die Bremsen funktionieren bergab. Die Strasse wurde vor einem Jahr geteert. Beim Schild „12% Steigung“ hielt der Fahrer an, schaltete in den ersten Gang und fuhr mit Vollgas den rund 600m hohen Anstieg hinauf. Sogar die Mopeds überholten uns nun mühelos. Nach 3 Stunden hatten wir das rund 70km entfernte Dorf Talouy erreicht. Wir fanden gerade ein einziges Gasthaus, das uns aufnahm. Bei den ersten beiden wurden wir abgewiesen. Es scheint, dass diese Zimmer Asiaten vorbehalten sind. Oder ob sie uns für Amerikaner hielten? Niemand sprach hier englisch. Ausser ein paar Motorradfreaks auf der Durchreise waren wir die einzigen Touristen. Auch die Bestellung des Frühstücks war eine Herausforderung. Unser picture dictionary (ein Bilderbuch als Übersetzer) half ebenfalls nicht weiter. Wir bestellten Brot und Omelette, geliefert wurde ein Steak mit Salat.

 

Ein Spaziergang ins 3km entfernte Nachbardorf war wie eine weitere Zeitreise. Auf der linken Seite lag eingezäunt ein amerikanischer Stützpunkt mit mehreren Helikoptern und ein Zeltcamp. Die Amerikaner suchen heute noch nach Kriegsopfern. Nach der Überquerung der wackeligen Hängebrücke erreichten wir bald ein abgelegenes Bergdorf. Die zahlreichen gut erhaltenen Bambus- und Holzhäuser waren sorgfältig eingezäunt. Es herrschte eine friedliche Atmosphäre. Schnell hatte es sich herumgesprochen, dass drei Westler das Dorf besuchen, Kinder und Erwachsene säumten die Strasse und sahen uns an, als kämen wir von einem anderen Stern. Wir grüssten mit einem freundlichen "Sabaidee“ und lächelten zurück. Es bleibt zu hoffen, dass der grosse Touristenstrom trotz der neuen Strassenverbindung noch lange ausbleibt.

 

Tom